Wie kann ich meine Bestattung finanzieren?

Viele Menschen haben eine sehr klare Vorstellung, wie sie nach ihrem Tod bestattet werden wollen. Allerdings sind Begräbnisse in Deutschland kostspielig. Nicht selten müssen Angehörige Kompromisse bei der Bestattung eingehen, da das notwendige Kleingeld für die gewünschte Gestaltung fehlt. Doch es gibt Möglichkeiten, beizeiten vorzusorgen.

Wer ausreichend Geld für die spätere Bestattung zur Verfügung hat, kann dieses beispielsweise auf ein Treuhandkonto einzahlen. Dort wird das Geld verwahrt. Im Todesfall kann das Kapital dann plus Zinsen zur Ausgestaltung der Beerdigung und für weitere Kosten, wie die Grabpflege, verwendet werden.

Allerdings können es sich längst nicht alle Menschen leisten, so viel Geld auf einen Schlag aufzuwenden. Als Alternativen bieten sich verschiedene Formen der Vorsorge an, bei denen monatlich ein überschaubarer Beitrag gezahlt wird. Diese sind für jeweils unterschiedliche Personengruppen geeignet.

Die drei Wege der Bestattungsvorsorge

Es gibt drei typische Möglichkeiten eine Bestattung durch regelmäßige kleinere Zahlungen zu finanzieren: die Risikolebensversicherung, ein Sparkonto oder eine Sterbegeldversicherung. Die Infografik zeigt einfach und übersichtlich, wie diese Varianten der Bestattungsvorsorge funktionieren und welche Vor- und Nachteile sich dabei in welchem Alter ergeben.

Bei der Risikolebensversicherung handelt es sich nicht um eine richtige Bestattungsvorsorge. Vielmehr dient die Versicherung dem Hinterbliebenenschutz, sorgt also für die finanzielle Absicherung der Angehörigen im Todesfall. Aus diesem Grund ist die Versicherungssumme weitaus höher als die Bestattungskosten. Jedoch kann der Bestatter mit einem Teil der Versicherungssumme bezahlt werden.

Selbstverständlich ist es auch möglich, selbstständig jeden Monat einen kleineren Beitrag auf einem Sparbuch zurückzulegen. Mit einem sogenannten Sperrvermerk kann die Bank dabei informiert werden, dass das Kapital nach dem Tod ausschließlich für Bestattungskosten verwendet werden darf. Das ist vor allem von Vorteil, wenn Erbstreitigkeiten drohen.

Mit einer Sterbegeldversicherung wird ebenfalls explizit für die Bestattungskosten vorgesorgt. Abhängig von der gewünschten Versicherungssumme und persönlichen Faktoren wie dem Alter bei Versicherungsabschluss ergibt sich ein individueller Versicherungsbeitrag. Dieser muss meist nicht bis ins hohe Alter bezahlt werden. Je nach Tarif ist beispielsweise eine Beitragsfreiheit nach 30 Jahren üblich.

Achtung Stolperfallen: Das sollten Sie über die Bestattungsvorsorge wissen

Bei der Wahl der geeigneten Bestattungsvorsorge sollte bedacht werden, dass alle Varianten neben den Vorteilen auch Nachteile haben. Mit einer Risikolebensversicherung können sich Interessierte nur bis maximal 75 Jahre absichern – man muss sich also auch Gedanken darüber machen, wie die Bestattung bezahlt werden soll, wenn man hoffentlich älter wird.

Das Geld auf dem Sparbuch lässt sich mit einem Sperrvermerk zur Verwendung nach dem Tod allein für die Bestattungskosten bestimmen. Kommt es allerdings zu Lebzeiten zu finanziellen Engpässen, wird das angesparte Kapital auf Sozialleistungen angerechnet.

Die Sterbegeldversicherung eignet sich insbesondere für Menschen in jungen Jahren beziehungsweise im mittleren Alter. Wer sich erst in fortgeschrittenem Alter für eine Sterbegeldversicherung entscheidet, muss mit sehr hohen Versicherungsbeiträgen rechnen.

Die Vor- und Nachteile der Tarife einiger großer Anbieter, können Sie in unserem Sterbegeldversicherung Vergleich nachlesen.

„Einen pauschalen Rat gibt es leider nicht.“

Elke Weidenbach ist Rechtsanwältin, Buchautorin und Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW.

Viele Menschen, die sich mit ihrer eigenen Bestattungsfinanzierung beschäftigen, sind verunsichert, wie sie ihr Ziel – die vollständige Finanzierung ihrer Beerdigung – erreichen. Was raten Sie vorsorgeinteressierten Menschen?

Einen pauschalen Rat gibt es leider nicht. Es kommt ganz stark auf das Alter der vorsorgeinteressierten Menschen an:

Für jüngere Menschen lohnt es sich oft, eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Wird der Schutz auch für Anderes (zum Beispiel für die Sicherung eines Darlehens) benötigt, können junge Menschen eine höhere Versicherungssumme wählen, die dann auch für die Beerdigungskosten aufkommt.

Elke Weidenbach: Rechtsanwältin, Buchautorin und Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW.

Elke Weidenbach
Verbraucherzentrale NRW

Für ältere Menschen ab circa 65 Jahren ist der Beitrag für eine Risikoabsicherung mit Leistung im Todesfall – sollten sie sich einer sehr guten Gesundheit erfreuen – sehr hoch. Aus diesem Grund sollte - trotz überall fehlender Zinsen - besser zweckgerichtet ein monatlicher Beitrag gespart werden oder vorhandenes Kapital entsprechend angelegt werden.

Eine weitere Option sind Sterbegeldversicherungen, von denen ich in der Regel abrate. Sie kommen zur Auszahlung, wenn die versicherte Person verstirbt. Im Grunde sind diese Versicherungen kapitalbildende Lebensversicherungen, deren Todesfallleistung oder Leistung, wenn das Kapital angespart ist und keine Beiträge mehr zu entrichten sind, an die Hinterbliebenen im Todesfall ausgezahlt wird. Derartige Verträge lohnen sich unter finanziellen Gesichtspunkten häufig nicht. Wer um die 60 Jahre alt ist und einen solchen Vertrag abschließt, zahlt wesentlich mehr Beiträge ein als angespart werden. So bizarr es klingt: Besonders für ältere Kunden wird eine Sterbegeldversicherung schnell zum Renditegrab.

Gibt es Fälle, in denen Sie von der Vorsorgemaßnahme „Risikolebensversicherung + Konto“ abraten würden? Gibt es Risiken, die Verbraucher in Kauf nehmen müssen?

Ich würde von einer Risikolebensversicherung abraten, wenn Risikozuschläge oder -ausschlüsse zu gravierend sind. Ich würde ebenfalls eher von diesem Vorsorgekonzept abraten, wenn jemand überproportional viel brachliegendes Kapital besitzt und der Abschluss einer Risikolebensversicherung ohnehin keinen Sinn macht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Beerdigungskosten ohne Probleme aus dem vorhandenen Kapital bezahlt werden können. Dann ist eine Risikolebensversicherung in der Regel überflüssig.

Hat die Niedrigzinsphase Ihrer Erfahrung nach einen Einfluss auf die Entscheidung für bzw. gegen eine Sterbegeldversicherung?

Die Niedrigzinsphase betrifft alle Formen von Sparanlagen. Aus diesem Grund hat diese keinen besonderen Einfluss für oder gegen eine Sterbegeldversicherung. Mehr Einfluss hat die Frage nach den genauen Vertragsinhalten und insbesondere der Wartezeit.

Wie sinnvoll ist es mit riskanteren Finanzprodukten wie Aktienfonds für die Beerdigung zu sparen?

Bei allen risikoreichen Geldanlagen gilt das gleiche Prinzip: Kann eine vernünftige Rendite erwirtschaftet werden, drohen Verluste. Verbraucher, denen eine solche Anlage geläufig ist, legen hier eher an. Die meisten Menschen bevorzugen aber eine sichere Anlage, da beispielsweise die Kinder nicht mit den Kosten für die Beerdigung belastet werden sollen und sie bestimmte Vorstellungen für die eigene Beerdigung haben.

Wir haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass das Sicherheitsbedürfnis zu wissen, dass genug Geld für das eigene Begräbnis nach dem Tod vorhanden ist, dem Sparbedürfnis überwiegt. Würden Sie auch Menschen, denen es nicht so wichtig ist, ob sie am Ende etwas draufzahlen, von einer Sterbegeldversicherung abraten?

Unter finanziellen Gesichtspunkten würde ich auch in diesem Fall von einer Sterbegeldversicherung abraten. Letztendlich aber muss aber jeder selbst entscheiden, wie er seine Bestattung finanziert. Wenn dadurch ein besserer Nachtschlaf gesichert ist, kann sich der Abschluss einer Versicherung natürlich für das persönliche Wohlbefinden lohnen.

„Jeder sollte die Vorsorge wählen, die zu ihm passt.“

Alexander Helbach ist Pressesprecher bei Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur.

Eine Bestattung inklusive Trauerfeierlichkeiten und Grabpflege kostet viel Geld. Kein Wunder, dass viele Leute nicht wissen, wie sie eine vollständige Finanzierung ihrer Beerdigung schon zu Lebzeiten bewältigen können. Welche Empfehlung haben Sie für Menschen, die jetzt vorsorgen wollen?

Sich über die Wünsche für die eigene Bestattung klar zu werden, idealerweise in Absprache mit der Familie, ist der erste Schritt bei der Vorsorge. Dazu gehört, sich gründlich über die bestehenden Möglichkeiten und die zu erwartenden Kosten zu informieren. Abhängig davon gilt es, diese Kosten in angemessener Höhe abzusichern. Und hier kommen verschiedene Varianten ins Spiel, bei denen jeder abwägen sollte, was zu seiner Situation passt.

Alexander Helbach: Aeternitas e.V. - Verbraucherinitiative Bestattungskultur

Alexander Helbach
Aeternitas e.V.

Eine mögliche Alternative zum (zweckgebundenen) Ansparen der Bestattungskosten stellt die Sterbegeldversicherung dar. Für wen ist dieser Weg zu empfehlen? Gibt es dabei Fallstricke zu berücksichtigen?

Eine Sterbegeldversicherung ist vor allem für jene empfehlenswert, die über kein großes Vermögen verfügen, sondern mit regelmäßigen Beträgen das für die Bestattung nötige Geld ansparen möchten. Wie bei anderen Versicherungen auch lohnt sich der Vergleich verschiedener Anbieter. Zu berücksichtigen sind dabei aber nicht nur die monatlichen Raten und die spätere Auszahlungssumme, sondern auch andere Aspekte, zum Beispiel: Wie lange ist die Wartezeit, bis bei einem Todesfall tatsächlich die volle Summe ausgezahlt wird? Wie viel wird anteilsmäßig ausgezahlt, wenn der Versicherte früh verstirbt? Gibt es eine Gesundheitsprüfung?

Kann eine Risikolebensversicherung ein Ersatz für die Sterbegeldversicherung sein? Gibt es dabei Risiken, die Verbraucher in Kauf nehmen müssen?

Für junge Leute ist diese Versicherung sicher interessant, aufgrund niedriger Prämien und hoher Versicherungssummen. Allerdings ist ein Abschluss im höheren Alter meist gar nicht mehr möglich. Und von den eingezahlten Beiträgen bleibt nach Ablauf des Versicherungsschutzes mit 60 oder 65 Jahren nichts übrig. Das eingezahlte Kapital und der Versicherungsschutz verfallen gleichermaßen, wenn der Versicherungsnehmer während der Laufzeit nicht verstirbt.

Bei Tarifen mit einer Zahldauer bis 85 Jahre werden die Gesamtkosten für eine Sterbegeldversicherung sehr hoch. Fallen Ihnen Gründe ein, die für dieses Tarifmodell sprechen würden?

Trotz hoher Gesamtkosten bleiben die Vorteile einer Sterbegeldversicherung: Die Vorsorge ist wegen der eindeutigen Zweckbindung sicher, auch wenn man einmal zum Sozialfall werden sollte, der Versicherungsfall tritt zu einhundert Prozent ein und ich kann eine solche Versicherung auch noch im hohen Alter abschließen. Und natürlich steigt mit zunehmendem Alter das Risiko zu sterben.

Wie bewerten Sie das Sicherheitsbedürfnis, dass Menschen haben, wenn Sie eine Sterbegeldversicherung abschließen und das Renditebedürfnis, wenn man sich für die Vorsorge durch eigenverantwortliches Sparen entschließt?

Jeder sollte die Vorsorge wählen, die zu ihm passt. Unter dem Gesichtspunkt der Rendite kann eine Sterbegeldversicherung je nach Vertragsgestaltung und Abschlussalter unattraktiv sein. Bei der Bestattungsvorsorge halte ich jedoch die Gewissheit für entscheidend, seine Bestattungswünsche möglichst zuverlässig abgesichert zu haben.